Rheingau-Taunus. Die Umsetzung des neuen Landesprogramms „100 Wilde Bäche für Hessen“ im Rheingau-Taunus kommt voran. Dies hat die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper auf ihre Anfrage von Umweltministerin Priska Hinz erfahren. Wie berichtet, sind fünf Bäche im Kreisgebiet – der Elsterbach, der Kiedricher Bach, die Walluf, der Breithardter Bach und der Kesselbach – in die Landesinitiative aufgenommen worden und gehören damit zu den 100 Fließgewässern in Hessen, die mit Unterstützung des Landes modellhaft renaturiert werden.

„Die Vorbereitungen für die Renaturierungsmaßnahmen laufen. Die Hessische Landgesellschaft (HLG) als Dienstleister hat sich zunächst einen Überblick über die bestehende Situation verschafft und dann die Abstimmung mit den Kommunen Oestrich-Winkel, Geisenheim, Eltville, Kiedrich, Walluf, Hohenstein und Idstein gestartet“, teilte die Abgeordnete mit.

Start mit Walluf und Kiedricher Bach
Laut Auskunft des Ministeriums sei im Rahmen der Priorisierung der Maßnahmen im Rheingau-Taunus die zeitlich bevorzugte Bearbeitung der Walluf und des Kiedricher Bachs vorgesehen. Die Auftaktgespräche seien bereits erfolgt. Im nächsten Schritt würden an Runden Tischen die auszuschreibenden Maßnahmenpakete vereinbart.

Für die Walluf, für deren Renaturierung sich die Gemeinde Walluf und die Stadt Eltville beworben hatten, habe zwischenzeitlich auch Schlangenbad Interesse signalisiert, am Programm „100 Wilde Bäche für Hessen“ teilzunehmen. Eine offizielle Nachmeldung werde vom Land sehr begrüßt, da dann alle Anliegerkommunen beteiligt wären und das Projekt umfassend erfolgen könne. Denn die Walluf mit ihrer Gesamtlauflänge von 13,7 Kilometern fließe 6,6 Kilometer auf Schlangenbader Gebiet, ehe sie den Eltviller Stadtbereich erreiche und schließlich in Walluf in den Rhein münde.

Für Kesselbach, Breithardter Bach und Elsterbach werde die weitere Maßnahmenplanung sukzessive erfolgen, wenn an Walluf und Kiedricher Bach die ersten Projekte angeschoben seien. Mit Oestrich-Winkel und Geisenheim, die Anlieger des Elsterbachs sind, sowie Hohenstein, auf dessen Gebiet sich der Breithardter Bach befindet, wurden bereits Auftaktgespräche geführt. Beim Termin mit Idstein sei es durch die verschärften Corona-Maßnahmen zu Verzögerungen gekommen.

Gewässer- und Hochwasserschutz
Mit dem Programm werden Maßnahmen zur Entwicklung naturnaher Gewässer-, Ufer- und Auenstrukturen, Herstellung der Durchgängigkeit und Bereitstellung von Flächen für die Gewässerentwicklung gefördert. „Die Bäche sollen natürlicher und artenreicher werden. Indem sie mehr Raum bekommen, werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen wiederhergestellt und die Artenvielfalt gefördert“, erläuterte Petra Müller-Klepper. Viele Bäche seien in der Vergangenheit ausgebaut, begradigt und in ein Betonbett gedrängt worden. Mit dem Programm werde ihnen ein breites, unberührtes Ufer und ein natürliches Bachbett zurückgegeben, wo das Wasser frei fließen könne. „Das dient auch dem Hochwasserschutz und macht die Bäche klimafest.“

Das Besondere des neuen Programms sei, dass den Kommunen dabei viel Arbeit abgenommen werde. „Sie erhalten eine umfassende Hilfestellung von den ersten Planungsschritten bis zur Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen“, so die Abgeordnete. Die HLG kümmere sich als Dienstleister um die Koordinierung aller Aufgaben – wie Projektsteuerung und -planung, Flächenmanagement, organisatorische Abwicklung der Maßnahmen vom Förderantrag bis zur Bauabnahme. Der Dienstleister werde vollständig aus Landesmitteln finanziert.

Zudem zeichne sich das Programm durch einen außergewöhnlich hohen Fördersatz bei den Renaturierungsmaßnahmen aus. Das Land trage zwischen 75 und 95 Prozent der Kosten, die den Kommunen bei der Umsetzung entstehen. Die Höhe der Zuwendung richte sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune und ihrer Stellung im Finanz- und Lastenausgleich. „Unsere Region hat beim Auswahlverfahren hervorragend abgeschnitten und wird in hohem Maße von der Fördermöglichkeit profitieren“, betonte Petra Müller-Klepper.

Geld für Vorlaufprojekte
Bisher seien im Rheingau-Taunus-Kreis noch keine Mittel im Rahmen des Programms „100 Wilde Bäche für Hessen“ beantragt worden. Der Gemeinde Kiedrich habe das Land aber im Vorgriff im letzten Jahr bereits 126.000 Euro für die Renaturierung und Gewässerumlegung am Kiedricher Bach bewilligt, der Fördersatz betrage 80 Prozent. Die Umsetzung erfolge nun im Rahmen des Programms. Die Unterlagen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung zur Maßnahme „Renaturierung/Umlegung Kiedricher Bach“ im Naturschutzgebiet nahe der Waldmühle lägen der HLG vor und würden gemeinsam mit der Kommune weitergeführt.

Die Stadt Eltville habe 2019 bereits 956.000 Euro für die Renaturierung und Gewässerumlegung der Walluf in Martinsthal erhalten. Auch hier decke der Landeszuschuss 80 Prozent der Kosten. Die Maßnahme werde unabhängig vom Programm „100 Wilde Bäche für Hessen“ umgesetzt, da die Unterstützungsleistung der HLG obsolet sei. Es erfolge die Verlegung und naturnahe Wiederherstellung des historischen Bachbetts der Walluf auf einer Länge von knapp 400 Metern. Hierdurch würden zwei Projekte des Maßnahmenprogramms 2015-2021 zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie abschnittsweise umgesetzt. Daneben seien auch Maßnahmen für die Naherholung geplant, die jedoch nicht förderfähig seien.

Die Wiederherstellung der fünf Bäche im Rheingau-Taunus als naturnaher Lebensraum soll Vorbild bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie für die anderen Gewässer in Hessen sein. „Bis 2027 sollen alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden“, so Petra Müller-Klepper.

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