Rheingau-Taunus. In Hessen wird auf Initiative der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen eine Landarztquote eingeführt. Dies teilen die Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper und Peter Beuth mit. „Die Entscheidung ist für den Rheingau-Taunus-Kreis von großer Bedeutung, weil hier in den kommenden Jahren aus Altersgründen viele Nachfolger für Arztpraxen gesucht werden. Die Landarztquote hilft, das Nachwuchsproblem zu lösen, und ist ein Baustein zur Sicherung der ärztlichen Versorgung im Kreis“, erklärten die CDU-Politiker. Sie hatten sich für die Einführung einer gesetzlichen Regelung und die Bereitstellung der erforderlichen Mittel im Haushalt eingesetzt.

„Die Sorge, dass auch künftig genügend Hausärzte wohnortnah zur Verfügung stehen, treibt die Bürgerinnen und Bürger im Rheingau-Taunus um. Das hat die Umfrage ergeben, die der Kreis vor kurzem zum Thema ‚Gesundheit und Pflege‘ durchgeführt hat. Die Landarztquote zeigt, dass wir diese Sorgen ernst nehmen und handeln“, betonten die Abgeordneten. Sie helfe, das flächendeckende Netz an niedergelassenen Ärzten zu bewahren, die wohnortnah die Grundversorgung garantieren.

Mit dem neuen Gesetz sollen zwei Vorabquoten beim Medizinstudium an allen drei medizinischen Universitäten – Frankfurt, Gießen, Marburg – verankert werden: eine Quote zur Sicherung der haus- sowie kinderärztlichen Versorgung und eine zur Sicherung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD). „Ab 2022 werden sich jedes Jahr 65 von 1000 Medizinstudierenden verpflichten, zehn Jahre lang als Haus- oder Kinderärzte in unterversorgten Gebieten zu arbeiten. 13 Studierende verpflichten sich für den gleichen Zeitraum fest für den ÖGD“, erläuterten Müller-Klepper und Beuth.

Hausärztinnen und Hausärzte sowie Kinderärztinnen und -ärzte seien besonders wichtig für die ambulante medizinische Versorgung. „Sie sind für die Menschen die ersten und wichtigsten Ansprechpartner und ein Pfeiler unseres Gesundheitssystems.“ Zudem habe die Corona-Pandemie deutlich gemacht, wie sehr das Gesundheitswesen auf einen leistungsfähigen, personell gut ausgestatten Öffentlichen Gesundheitsdienst angewiesen sei. Deshalb werde eine Quote für seine Nachwuchssicherung eingeführt.

Fachspezifische Eignung entscheidend
Bei der Auswahl der Studierenden soll weniger die Abiturnote als vielmehr die fachspezifische Eignung entscheidend sein. „Es werden auch soziale und kommunikative Kompetenzen im Umgang mit Patientinnen und Patienten berücksichtigt, die für die ärztliche Tätigkeit eine besondere Bedeutung haben“, so die Abgeordneten. Ebenso fließen Erfahrung in einem Gesundheitsberuf oder ehrenamtliche Tätigkeiten ein.

Die neuen Landärztinnen und Landärzte könnten in allen ärztlich unterversorgten Gebieten in Hessen eingesetzt werden. Entscheidend sei hierfür die Einschätzung des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen. „Das Versorgungsgutachten für den Rheingau-Taunus zeigt, dass die ambulante Versorgung überwiegend gut ist, es aber Handlungsbedarf bei den Hausärzten – insbesondere im Planungsbereich Idstein - sowie bei den Augenärzten gibt. Zudem wird explizit auf das hohe Durchschnittsalter der Hausärzte von 55,61 Jahren hingewiesen. So wird bis 2030 für 60 Prozent der Hausarztsitze ein Nachfolgebedarf bestehen“, skizzieren Müller-Klepper und Beuth die Entwicklung.

Die Landarztquote sei ein probates Mittel, um gegenzusteuern. Sie mache den Arztberuf auf dem Land attraktiver. Mit einem begleitenden Schwerpunktprogramm werde den Studierenden geholfen, sich auf ihre spätere Arbeit als Ärzte im ländlichen Raum oder beim Öffentlichen Gesundheitsdienst vorzubereiten. Es umfasse regelmäßige Praktika in ländlich gelegenen Praxen, begleitende Seminare an der Universität, Mentoring-Programm und Tagesausflüge zur Berufsfelderkundung. Zudem würden die Studierenden finanziell durch ein Stipendium unterstützt.

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