Rheingau-Taunus. Die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper wirbt dafür, dass im Rheingau-Taunus mit Hilfe eines neuen Förderprogramms die duale Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern etabliert wird. „Das Land unterstützt ab sofort so genannte praxisintegrierte, vergütete Ausbildungsplätze. Die Ausbildung erfolgt nicht wie sonst üblich vollschulisch, sondern kombiniert von Anfang an die Praxis in der Kita mit dem Unterricht an einer Fachschule, wie sie in unserem Kreis mit den Beruflichen Schulen Rheingau in Geisenheim vorhanden ist. Die Azubis sind vom ersten Tag in der Kinderbetreuung tätig und erhalten eine Ausbildungsvergütung“, erklärte die CDU-Politikerin.

Petra Müller-Klepper ermuntert die 17 Städte und Gemeinden sowie die kirchlichen und freien Träger von Kindertagesstätten im Rheingau-Taunus, diesen neuen Ansatz zu erproben, die Kooperation mit der Fachschule zu vereinbaren und einen Antrag zu stellen. Das Antragsverfahren sei soeben eröffnet worden. Die Zuschüsse (pro Monat und auszubildender Person) betragen im ersten Ausbildungsjahr 1.450 Euro, im zweiten Ausbildungsjahr 1.130 Euro und im dritten Ausbildungsjahr 540 Euro.

„Die praxisintegrierte, vergütete Ausbildung (PivA) ist ein innovatives Modell, das sowohl für die Auszubildenden wie für die Träger attraktiv ist. Alle profitieren. Die künftigen Erzieherinnen und Erzieher sammeln vom ersten Tag an praktische Erfahrungen, sie lernen nicht nur in der Schule, sondern auch an ihrem künftigen Arbeitsort und erhalten dafür ein Entgelt. Die Einrichtungen erhalten im Gegenzug durch den Einsatz der Azubis im Betreuungsalltag tatkräftige Unterstützung“, so die Abgeordnete.

Praxisnähe von Anfang an

Durch die Integration in den Kita-Alltag sei die dreijährige Ausbildung praxisnäher. Zudem entstehe eine Bindung an die auszubildende Einrichtung und den Träger. „Dies ist eine Chance, dass sie sich den Erziehernachwuchs passgenau ausbilden und sichern können.“ Viele Azubis würden nach erfolgreich absolvierter Prüfung ein fester Bestandteil des Erzieherteams ihrer Ausbildungsstätte, fasste Petra Müller-Klepper die Erkenntnisse aus den Modellversuchen der letzten Jahre zusammen. Sie hatte sich als Sozial-Staatssekretärin für die Erprobung der Idee stark gemacht und 2012 das hessische Pilotprojekt in Hanau auf den Weg gebracht, wo die duale Erzieherausbildung mittlerweile zum Regelangebot geworden ist.

Duales Platzangebot wird verdreifacht

„Wir brauchen mehr Erzieherinnen und Erzieher und wollen erreichen, dass sich mehr junge Menschen für den Beruf interessieren und entscheiden. Sie sollen eine gute Ausbildung erhalten, damit in den Kitas eine hochwertige Betreuung und optimale frühkindliche Bildung erfolgen kann“, betonte die Abgeordnete. Das duale Modell sei eine interessante Alternative zu der rein schulischen Ausbildung. Perspektivisch sollen angehende Erzieherinnen und Erzieher in Hessen wählen können, welches Ausbildungsmodell sie bevorzugen.

Das Land bezuschusse die praxisintegrierten Ausbildungsplätze ab dem neuen Schuljahr aus dem Landesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ und setze damit bewusst finanzielle Anreize, damit die Träger in die Ausbildung investieren und diesen neuen Weg umsetzen. Es werden jeweils die Ausbildungsdurchgänge 2020-2023 und 2021-2024 gefördert.

Bisher gebe es in Hessen 200 praxisintegrierte Ausbildungsplätze für Erzieherinnen und Erzieher, die aus der Fachkräfteoffensive des Bundes unterstützt worden seien – darunter auch ein Platz in der AWO-Kita „Marie Juchacz“ in Idstein. „Mit dem neuen Programm wollen wir diese Zahl auf 600 Plätze erhöhen“, kündigte Petra Müller-Klepper an. „Wir setzen darauf, dass die dualisierte Ausbildung hochattraktiv ist und mehr junge Menschen für den wichtigen Erzieherberuf begeistern wird.“ Bedauerlicherweise sei Ende letzten Jahres der Bund kurzfristig aus der Förderung ausgestiegen. Das Land kompensiere dies nicht nur, sondern verdreifache sogar die Zahl der geförderten Plätze.

Gefördert werden im Rahmen der Fachkräfteoffensive auch berufsbegleitende Ausbildungen, um Quereinsteigern eine Möglichkeit zu geben, den Erzieherberuf auszuüben. Das Land fördert zudem die sogenannte Anleitungsfreistellung. Diese Förderung kann durch alle ausbildenden Träger von Kindertageseinrichtungen – unabhängig von der Ausbildungsform – beantragt werden, wenn sie Fachkräfte, die angehende Erzieherinnen und Erzieher in der Praxisphase der Ausbildung anleiten, durchschnittlich zwei Stunden pro Woche dafür freistellen.

Anträge für „PivA“ sind bis zum 03. Juli 2020 einzureichen. Antragsformulare und Informationen unter https://www.grosse-zukunft-erzieher.de/

<code>Hintergrund

Die praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher dauert drei Jahre. Die Auszubildenden in der PivA-Ausbildung sind parallel zum Unterricht an einer Fachschule bereits von Beginn an in einer Kita tätig und erhalten eine Ausbildungsvergütung. Das Land Hessen verdreifacht mit dem neuen Landesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ die Zahl der geförderten Plätze in der praxisintegrierten, vergüteten Ausbildung zur Erzieherin oder zum Erzieher von 200 auf 600 Plätze.
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