Gemeindeschwestern sollen im Rheingau-Taunus zu einer festen Einrichtung werden. Dieses Ziel verfolgen die Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper und Peter Beuth und fordern daher die Kommunen, Hausärzte und Medizinischen Versorgungszentren im Kreisgebiet auf, sich beim Land bis Ende Oktober um Fördermittel für das Jahr 2020 zu bewerben.

„Wir wollen, dass die Gemeindeschwester dauerhaft und an möglichst vielen Orten zur Verfügung steht. Als Kümmerin und Vermittlerin kann sie durch Hausbesuche und soziale Unterstützung die Versorgungslandschaft ergänzen und verbessern. Gerade in einer ländlichen Region wie der unseren ist dieses Angebot eine sinnvolle und wichtige Hilfestellung für die älteren Menschen“, erklärten die CDU-Politiker. Bisher ist im Rheingau-Taunus die Stadt Eltville vom Land mit 21.200 Euro für den Einsatz einer Gemeindeschwester im zweiten Halbjahr 2019 gefördert worden.

Das Modell der Gemeindeschwester habe sich in der zweijährigen Testphase landesweit bewährt. „Wie in der Koalitionsvereinbarung angekündigt, machen wir daraus ein dauerhaftes Landesprogramm“, so die Abgeordneten. Es sei geplant, für den Einsatz von Gemeindeschwestern 7,5 Millionen Euro in den Jahren 2020 bis 2024 bereitzustellen. Sozialminister Kai Klose habe soeben die Förderausschreibung für 2020 veröffentlicht. Für die Förderrunde 2020 müssten bis 30. Oktober 2019 Anträge eingereicht werden.

Pflegebedürftigkeit und Vereinsamung entgegenwirken
Die Gemeindeschwester ist entweder Mitarbeiterin einer Hausarztpraxis, eines Medizinischen Versorgungszentrums oder Angestellte einer Kommune. Entscheidend für die Förderung ist, dass es sich um allgemein zugängliches Angebot für alle Bürger handelt. „Die Gemeindeschwester kann sich durch Besuche bei älteren Menschen ein Bild von der Versorgungssituation verschaffen und den Unterstützungsbedarf im Bereich der medizinischen Versorgung, im Alltag und bei der sozialen Teilhabe bereits im Vorfeld von schwerer oder chronischer Erkrankung oder Pflegebedürftigkeit erfassen. Anschließend organisiert und koordiniert sie in enger Abstimmung mit den Betroffenen die notwendigen Hilfen vor Ort. Sie schließt gezielt eine Lücke zwischen medizinischer und psychosozialer Versorgung für Menschen, die noch keinen Pflegebedarf im Sinne des Sozialgesetzbuches haben“, erläuterten die CDU-Politiker.

Ziel sei es, den Betroffenen in seiner Lebenssituation zu stärken und zu stabilisieren. Die Gemeindeschwester könne dazu beitragen, dass hilfsbedürftige Senioren so lange wie möglich in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben und am Leben teilnehmen könnten. „Es geht darum, Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich zu vermeiden, aber auch einer Vereinsamung im Alter entgegen zu wirken.“

Entlastung für Hausärzte - Netzwerkerin
Die gesundheitliche Versorgung älterer Menschen umfasse mehr als medizinische Untersuchung und Behandlung. Gerade im Alter, wenn neben körperlichen Erkrankungen auch Einschränkungen im Alltag zum Tragen kommen, benötigten viele Menschen einen Ansprechpartner, der Hilfen organisiere. „Dieses sich Kümmern um die psychosozialen Belange ist Kernaufgabe der Gemeindeschwestern“, so Müller-Klepper und Beuth. Den Hausärzten fehle hierfür oft die Zeit.

Die Gemeindeschwester müsse nicht nur über die entsprechende fachliche Qualifikation in einem Gesundheits- oder Pflegeberuf oder in der Sozialarbeit und über Vertrautheit im Umgang mit Älteren verfügen. „Sie muss auch Netzwerkerin sein, die professionellen und ehrenamtlichen Angebote im sozialen und pflegerischen Bereich vor Ort kennen und innerhalb des Netzwerks koordinierend wirken.“

Das Förderprogramm sieht Personalkostenzuschüsse für entsprechend qualifizierte Gemeindeschwestern vor. Antragsberechtigt sind Hausärzte, Medizinische Versorgungszentren mit einem hausärztlichen Sitz und Kommunen. Auch können Qualifizierungsmaßnahmen gefördert werden. Sollten ergänzende Mittel für präventive Hausbesuche durch die Krankenkassen aus Mitteln des Präventionsgesetzes bereitgestellt werden, ist eine zusätzliche Finanzierung möglich und führt zu einer entsprechenden Erweiterung des Aufgabengebietes der Gemeindeschwester.

Anträge sind mit einer Arbeitsplatzbeschreibung und einem Versorgungskonzept, das die sozialräumliche Zuordnung der Gemeindeschwester und die Strategie zur Vernetzung darstellt, einzureichen. Die Antragstellung erfolgt elektronisch beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration elektronisch über die E-Mail- Adresse gesundheitsnetze@hsm.hessen.de. Ein Antragsformular kann auf der Internetseite www.soziales.hessen.de/gesundheit abgerufen werden. Ansprechpartnerinnen im Ministerium sind über die Mail-Adresse gesundheitsnetze@hsm.hessen.de erreichbar.

« CDU für Kompetenzzentrum Pflege Bäche sollen wieder natürlich und artenreich werden - 26 Gewässer im Kreis kommen für neues Renaturierungs-Programm in Frage »