Lorch/Heidenrod. Die Landesregierung wird für die Phase I des Naturschutzgroßprojekts „Naturwaldverbund Wispertaunus“, das die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) in Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz plant, in den Jahren 2021 und 2022 jeweils 75.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Dies hat Umweltministerin Priska Hinz der Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper auf ihre Anfrage mitgeteilt. Es soll ein großer Naturwaldverbund entstehen, indem forstlich ungenutzte Staatswaldflächen – vorrangig die Kernflächen Weißenthurm und Kammerforst - durch dauerhaft nutzungsfreie Flächen im Kommunal- und Privatwald auf freiwilliger Basis erweitert und miteinander vernetzt werden.

Das Land befürworte die Projektidee, so die Antwort aus dem Ministerium, Das Vorhaben sei im vergangenen Jahr von den Bürgermeistern aus Lorch, Heidenrod und Geisenheim, Jürgen Helbing, Volker Diefenbach und Christian Aßmann gemeinsam mit der ZGF der Hausspitze im Umweltministerium vorgestellt worden. Dies habe dort Unterstützung gefunden. Durch die Abstimmung zwischen Projektträger, Land und Kommunen sei damals im September 2019 die entscheidende Weichenstellung erfolgt. Das Projektvolumen betrage voraussichtlich rund 15 Millionen Euro.

„Das Land hat seine Zustimmung zur Antragstellung beim Bundesamt für Naturschutz erteilt, die im Sommer geplant ist. Im Falle der Bewilligung hat es die Kofinanzierung der separaten Projektphase I in Höhe von 15 Prozent in Aussicht gestellt“, erläuterte Petra Müller-Klepper den Sachstand. Es handele sich um die Planungs- und Abstimmungsphase zur Erstellung des so genannten Pflege- und Entwicklungsplans. Die erforderlichen Mittel würden von Seiten des Ministeriums im Entwurf des Haushaltsplans 2021 vorgesehen.

Eine Entscheidung hinsichtlich der Projektphase II, die das Jahrzehnt der Umsetzung umfasse, werde erst im Anschluss erfolgen können. „Zuerst muss die Waldbewertung vorgenommen, eine potenzielle Flächenkulisse erarbeitet worden sein und der tatsächliche Finanzbedarf feststehen“, so die Abgeordnete.

Das Umweltministerium unterstütze das Vorhaben, weil die Naturwaldflächen im Rheingau-Taunus erweitert würden und durch das Zulassen natürlicher Entwicklungsprozesse der Lebensraum für eine natürliche, waldgebundene Artenvielfalt gesichert werden solle. Zudem sollen die Quellbereiche der Waldbäche renaturiert und ihre Durchlässigkeit für wandernde Arten verbessert werden.

„Mit dem Projekt könnte ein deutliches Signal gesetzt werden, dass die Landesregierung willens ist, das 5-Prozent-Naturwaldentwicklungsziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen und Kommunal- und Privatwaldbesitzer zu unterstützen“, so die Stellungnahme des Umweltministeriums. Der Planungsraum liege im größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens. In den teilweise über 140 Jahre alten Buchen- und Eichenbeständen fänden viele seltene Arten wie der Schwarzstorch, Luchs oder die Bechsteinfledermaus wertvollen Lebensraum. Der finanzielle Aufwand des Projekts sei für das Land überschaubar, da 75 Prozent der Förderung durch den Bund erfolgen solle und sich die ZGF mit einem Anteil von 10 Prozent beteiligen werde.

Ausgleichszahlung für Kommunen

„In Abstimmung mit den Waldeigentümern und den betroffenen Forstämtern Rüdesheim und Bad Schwalbach sind im Rahmen eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben von der ZGF naturschutzfachlich hochwertige Vorschlagsflächen in den Kommunalwäldern im Umfang von ca. 1.300 Hektar ermittelt worden“, so Petra Müller-Klepper. Bei den Flächen handele es sich vornehmlich um ertragsschwächere bzw. schwer erschließbare Standorte, die entsprechend höhere Holzerntekosten nach sich zögen. Ein Teil dieser Flächen werde gegenwärtig nicht bewirtschaftet.

In Vorgesprächen sei der Verkauf der Kommunalwaldflächen ausgeschlossen worden, so dass man sich alternativ auf einen möglichen Abkauf des dauerhaften Nutzungsverzichts verständigt habe. „Es soll den Kommunen ein Ausgleich gezahlt werden, weil die Wälder nicht mehr bewirtschaftet werden.“ Durch die Förderung profitierten die Kommunen direkt, indem insbesondere die weniger ertragreichen Flächen im Kommunalwald monetär in Wert gesetzt würden. Durch den Abkauf der Nutzungsrechte verbleibe das Waldeigentum sowie das Jagdrecht bei den Kommunen.

Jetzt stehe die Grundsatzentscheidung der Kommunalparlamente an. Die Gemeinde Heidenrod habe bereits Zustimmung signalisiert. Die Stadt Lorch werde demnächst entscheiden. „Wenn es grünes Licht gibt, kann der Projektantrag beim Bundesamt für Naturschutz eingereicht werden“, so die Abgeordnete. Der Bewilligungszeitraum liege erfahrungsgemäß bei mindestens einem Jahr. Die zweijährige Planungsphase werde demnach voraussichtlich frühestens im Sommer 2021 starten. An sie soll sich dann von 2023 bis 2032 die zehnjährige Umsetzungsphase anschließen.

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