Rheingau. Anfang April steht in den Weinbergen im Rheingau die Ausbringung der Pheromon-Kapseln zur Bekämpfung des Traubenwicklers an. Wie die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper mitteilt, fördert das Land auch in diesem Jahr die Anwendung dieser biologischen, umweltschonenden Pflanzenschutzmethode.

„In den Rheingau fließen Fördermittel in Höhe von 314.600 Euro für die Pheromonanwendung auf einer Fläche von 2.860 Hektar“, hat die weinbaupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion auf ihre Anfrage von der Hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Priska Hinz, erfahren. Das biologische, umweltschonende Verfahren sei von Vorteil für Natur und Mensch, habe sich bewährt und dokumentiere das Umweltbewusstsein der Winzer.

„Der Einsatz der Pheromon-Ampullen ist seit 2003 mit finanzieller Unterstützung des Landes sukzessive ausgebaut worden. Im Rheingau wird das Verfahren mittlerweile nahezu flächendeckend auf rund 90 Prozent der gesamten bestockten Rebfläche angewandt, was eine größtmögliche Wirksamkeit sicherstellt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Fläche nahezu konstant geblieben“, so Petra Müller-Klepper. Geringe Schwankungen resultierten aus laufenden Flurbereinigungsverfahren oder der turnusgemäßen Rodung von Altanlagen und anschließender Neubepflanzung.

An der Bergstraße komme das Verfahren aufgrund der kleinteiligen Weinbaustruktur nur in geringem Umfang zur Anwendung. Dort nehmen aktuell außer den Hessischen Staatsweingütern keine Pheromongemeinschaften an der Fördermaßnahme teil. Das Weinbauamt verfolge jedoch das erklärte Ziel, im Zuge der weinbaufachlichen Beratungstätigkeit die Akzeptanz und Verbreitung der besonders umweltschonenden Methode im Anbaugebiet Hessische Bergstraße zu erhöhen. Dies gelte insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und den Erhalt der Biodiversität.

Über 1,43 Millionen Ampullen
Im Rheingau werden dieses Jahr mehr als 1,43 Millionen der sogenannten RAK-Ampullen ausgebracht. Pro Hektar werden 500 Kapseln benötigt. Darüber hinaus sind weitere Ampullen für die Randabhängung erforderlich, deren Umfang lokal unterschiedlich ist. Der Fördersatz beträgt wie in den Vorjahren 110 Euro pro Hektar, um die Mehrkosten aufzufangen, die im Vergleich zur chemischen Bekämpfung entstehen. Die Auszahlung der Mittel erfolge nach Abschluss aller Vor-Ort-Kontrollen bis Oktober.

„Damit sich der Lockstoff im Weinberg verbreiten und somit das Verfahren optimal wirken kann, ist eine rechtzeitige Ausbringung der Kapseln ca. eine Woche vor Flugbeginn des Traubenwicklers wichtig“, erläuterte Petra Müller-Klepper. Das Weinbauamt gebe im Rahmen der amtlichen Pflanzenschutzberatung entsprechende Empfehlungen, so im „Wetterfax für den Weinbau“, das in Kooperation mit der Hochschule Geisenheim und dem Deutschen Wetterdienst erstellt werde. Der optimale Ausbringungstermin werde anhand der Temperatursummen-Methode ermittelt und den Weinbaubetrieben bekannt gegeben. In diesem Jahr sei mit einer Ausbringung der Pheromondispenser in der Woche nach Ostern zu rechnen. Darüber hinaus werde ein Monitoring-Verfahren zur Beurteilung der Wirksamkeit betrieben.

Der Pheromoneinsatz im Weinbau halte seit über zehn Jahren erfolgreich die Traubenwickler-Schädlinge unter Kontrolle – und das ohne den Einsatz von Insektiziden. Durch den biologischen Pflanzenschutz in Form von Pheromonen werde der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verringert. Dies schütze die Böden und Oberflächengewässer. „Das Prinzip ist einfach: Durch den Einsatz der Pheromone werden die Männchen des Traubenwicklers verwirrt und finden die Weibchen nicht“, so die Landtagsabgeordnete. Schadorganismen würden gezielt bekämpft, ohne dass Nützlinge geschädigt würden.

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