Rheingau-Taunus. Das Landesprogramm „100 Wilde Bäche für Hessen“ wird im Rheingau-Taunus weitgehender als ursprünglich geplant umgesetzt. „Die Walluf wird nicht nur im Bereich von Eltville und Walluf, sondern auch von Schlangenbad und damit im gesamten Verlauf in das Renaturierungsprojekt einbezogen. Jetzt sind alle drei Anliegerkommunen im Boot“, teilt die Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper.

Wie die CDU-Politikerin auf ihre Anfrage von Umweltministerin Priska Hinz erfahren hat, ist Schlangenbad nachträglich ins Programm aufgenommen worden. Diese Nachsteuerung sei sinnvoll. Denn die Walluf mit ihrer Gesamtlauflänge von 13,7 Kilometern fließe 6,6 Kilometer auf Schlangenbader Gebiet, ehe sie den Eltviller Stadtbereich erreiche und schließlich in Walluf in den Rhein münde. „Es haben Auftaktgespräche mit Schlangenbad stattgefunden. Die Vereinbarung über die konkrete Unterstützungsleistung befindet sich in der Abstimmung.“

Neben der Walluf sind vier weitere Bäche im Kreisgebiet – der Elsterbach, der Kiedricher Bach, der Breithardter Bach und der Kesselbach – in die Landesinitiative aufgenommen worden und gehören damit zu den 100 Fließgewässern in Hessen, die mit Unterstützung des Landes modellhaft renaturiert werden. Im Rahmen der Priorisierung der Maßnahmen im Rheingau-Taunus wurde festgelegt, dass die Umsetzung mit dem Kiedricher Bach und der Walluf startet.

Runde Tische und Bachbegehungen
„Die Vorbereitungen kommen trotz der Corona-Pandemie voran. Nachdem sich die Hessische Landgesellschaft (HLG) als Dienstleister einen Überblick über die Situation verschafft hat, haben bei beiden Vorhaben Runde Tische die Arbeit aufgenommen, um die Maßnahmenpakete zu vereinbaren“, so Petra Müller-Klepper.

Beim Kiedricher Bach seien neben den Anliegerkommunen Kiedrich und Eltville die Untere Wasser- und Naturschutzbehörde des Rheingau-Taunus-Kreises und die Obere Wasserbehörde mit von der Partie. Zur weiteren Abstimmung der Maßnahmen sei in jeder Kommune eine Bachgehung erfolgt, um sich bezüglich offener Punkte vor Ort ein Bild zu machen und zu einer Bewertung zu kommen.

Am Runden Tisch für die Renaturierung der Walluf sitzen neben den drei Anliegerkommunen Eltville, Walluf und Schlangenbad ebenfalls die Genehmigungsbehörden, die Flurbereinigungsbehörde sowie der Abwasserverband Oberer Rheingau, so die Abgeordnete. Geplant sei die Beseitigung von Wanderhindernissen zur Herstellung der Durchgängigkeit der Walluf sowie kleinere Strukturmaßnahmen. Größere Maßnahmen in Form der Bereitstellung von Flächen sowie der Entwicklung naturnaher Gewässer-, Ufer- und Auenstrukturen sollen zwischen Lochmühle und Neumühle sowie zwischen Martinsthal und Oberwalluf, vor allem unterhalb der 2020 umgelegten Gewässerstrecke, umgesetzt werden. Ebenso sei die Aufwertung des Unterlaufs in der Ortslage von Walluf vorgesehen.

Für Kesselbach, Breithardter Bach und Elsterbach werde die Maßnahmenplanung sukzessive erfolgen, wenn an Walluf und Kiedricher Bach die ersten Projekte angeschoben seien. Mit dem Programm werden Maßnahmen zur Entwicklung naturnaher Gewässer-, Ufer- und Auenstrukturen, Herstellung der Durchgängigkeit und Bereitstellung von Flächen für die Gewässerentwicklung gefördert. „Die Bäche sollen natürlicher und artenreicher werden. Indem sie mehr Raum bekommen, werden Lebensräume für Tiere und Pflanzen wiederhergestellt und die Artenvielfalt gefördert“, erläuterte Petra Müller-Klepper. Den Bächen werde ein breites Ufer und ein natürliches Bachbett zurückgegeben. „Das macht sie klimafest und dient auch dem Hochwasserschutz.“

Das Besondere des Programms sei, dass die Kommunen eine umfassende Hilfestellung von den ersten Planungsschritten bis zur Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen erhielten. Die HLG kümmere sich als Dienstleister um die Koordinierung aller Aufgaben. „Zudem ist der Fördersatz hoch“, betonte die Abgeordnete. Das Land trage zwischen 75 und 95 Prozent der Kosten, die bei der Umsetzung entstehen.

Die Wiederherstellung der fünf Bäche im Rheingau-Taunus als naturnaher Lebensraum soll Vorbild bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie für die anderen Gewässer in Hessen sein. „Bis 2027 sollen alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden“, skizziert Petra Müller-Klepper das Ziel.

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