Rheingau/Geisenheim. Mit der Hochschule Geisenheim University nimmt Hessen nach den Worten der Landtagsabgeordneten Petra Müller-Klepper bundesweit eine Spitzenstellung bei der Entwicklung und Erprobung von Konzepten für den Weinbau in Steillagen ein. „Unsere Rheingauer Hochschule leistet wertvolle Pionierarbeit, die national und international Anerkennung findet. Die Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet sind mit Unterstützung des Landes systematisch auf- und ausgebaut worden. Dies muss fortgesetzt werden.“

Ziel sei es, durch Mechanisierung und Nutzung digitaler Technik die Bearbeitung der Steillagen zu erleichtern, die durch die Folgen des Klimawandels wie Trockenheit und Extremwetterereignisse zusätzlich erschwert werde. Es gelte, Aufwand und Kosten zu reduzieren, um den Rückgang der Bewirtschaftung von Steillagen zu stoppen und die Kulturlandschaft zu erhalten.

Drohne ist Helikopter überlegen
Ein Schwerpunkt der Hochschule liege auf der Erprobung des Einsatzes von Drohnen bei der Ausbringung des Pflanzenschutzes, um den Steillagenweinbau umweltschonender und wirtschaftlicher zu machen. Die Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojekts mit dem Titel „Sprühkopter: Mechanisierungskonzepte für Weinbausteillagen - Pflanzenschutzmittelapplikation mit Hilfe von UAVs", das im Rahmen des Landesprogramms LOEWE durchgeführt wurde, seien durchweg positiv und vielversprechend. Wie die Abgeordnete vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst erfahren hat, wurde ein automatisiertes Verfahren zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft in Steillagen entwickelt und umfassend mittels Simulationen, Prüfstands- und Praxisversuchen erprobt.

„Drohnen haben gegenüber den herkömmlichen Verfahren – dem Hubschrauber und der Schlauchspritzung – Vorteile und sind eine sinnvolle Alternative. Durch gezielte Ausbringung – dichter an der Rebe, genauer an der Pflanze – können die Mittel wirkungsvoller eingesetzt und die Menge reduziert werden“, so Petra Müller-Klepper. Mittlerweile habe das Julius Kühn-Institut, eine Forschungseinrichtung und Bundesoberbehörde des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für den Einsatz mit Drohnen befürwortet.
Das LOEWE-Projekt sei unter Federführung der Hochschule Geisenheim mit der Agronator AG Geisenheim und den Hessischen Staatsweingütern durchgeführt worden. Es wurde vom Land mit Mitteln in Höhe von 366.500 Euro gefördert. Die von den Partnern eingebrachten Drittmittel beliefen sich auf 131.900 Euro.

Das Land habe zuvor im ersten Schritt die Anschaffung einer neuartigen, in dieser Form bisher nicht erhältlichen Sprühdrohne mit 75.000 Euro gefördert. Ihr Einsatz habe sich bei den Tests der Hochschule als ökonomisch und ökologisch sinnvoll erwiesen. Mit einem maximalen Startgewicht von 115 Kilogramm gewährleiste der „Agronator“ durch die hohe Tragkraft und große Luftleistung auch eine bessere Laubwanddurchdringung.

Daran anschließend sei mit der Erarbeitung eines wettbewerbsfähigen Mechanisierungskonzepts zum Pflanzenschutz begonnen und schließlich das LOEWE-Projekt gestartet worden. Eine Masterarbeit zur Beurteilung der Wirksamkeit des Pflanzenschutzes mit Hilfe von Sprühdrohnen sei ebenso erfolgt wie eine Dissertation über Untersuchungsmethoden zur Applikationsqualität von luftgestützten Pflanzenschutzgeräten und die Erarbeitung eines Moduls zur Ausbildung von Studierenden an Agrardrohnen.

Pflanzenschutzmittel und Dünger reduzieren
Auf all diesen Vorarbeiten basiere nun das aktuelle Forschungsprojekt „DIWAKOPTER – Digitalisierung in Wein- und Ackerbau mit Multikoptern“, für das die Hochschule Geisenheim Fördermittel in Höhe von 1.540.000 Euro erhält und das bis zum Frühjahr 2023 läuft. „Die Landesförderung des LOEWE-Projekts und die mit ihm gewonnenen Erkenntnisse waren der Grundstein für das Bestehen des Antragsverfahren, die erfolgreiche Einwerbung der Bundesmittel und das Erschließen dieses neuen Experimentierfeldes“, betonte Petra Müller-Klepper.

„DIWAKOPTER“ soll die Digitalisierung fördern unter Nutzung von Drohnen, vernetzter Sensorik und satellitengestützter Kommunikation mit dem Ziel, Pflanzenschutzmittel und Dünger zu reduzieren. Mit Hilfe der Drohnen soll eine sensorgestützte Bedarfsermittlung und Ausbringung erfolgen. Ziel sei die Etablierung neuer, digitaler Produktionstechniken und -methoden mit dem Schwerpunkt des Einsatzes unbemannter luftgestützter Systeme in Sonder- und Feldkulturen. „Es sollen innovative Lösungen für eine umweltschonende Landwirtschaft aufgezeigt und das Potential der Digitalisierung auch genutzt werden, um die landwirtschaftlichen Berufe attraktiver, zukunftsfester und erfolgreich zu gestalten“, so die Abgeordnete.

Interessierten Anbietern aktueller Landtechnik eröffne das Projekt die Möglichkeit, ihre Verfahren ergebnisoffen unter wissenschaftlicher Begleitung mit der erforderlichen Infrastruktur in der Praxis zu erproben und deren Funktionalität und Wirtschaftlichkeit nachzuweisen. Angesiedelt ist das Projekt in der Hochschule beim Institut für Technik. Beteiligt sind auch das Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sowie das Institut für Wein- und Getränkewirtschaft.

« Corona-Hilfe für Frauenhaus Corona-Hilfe für kleine Unternehmen: Land setzt Programm Hessen-Mikroliquidität fort »